„Hand in Hand durchs Königsjahr“

Interview mit König Matthias und Königin Katja Finkenbrink

Das Königspaar mit seinen Kindern in der Königskutsche (v.l.): Königin Katja, Jan, König Matthias, Moritz, Philipp und Karolin Finkenbrink.

Das Königspaar mit seinen Kindern in der Königskutsche (v.l.): Königin Katja, Jan, König Matthias, Moritz, Philipp und Karolin Finkenbrink.

Vor fast genau einem Jahr gelang Matthias Finkenbrink der Königsschuss. Ralf Böhmer hat die amtierende Majestät und seiner Königin Katja getroffen und zieht mit ihm Bilanz:

  1. Wir drehen die Uhr zurück auf Montag, den 19. Juli 2013, 15 Uhr. Der Moment, als der Vogel fiel: Was löst diese Erinnerung heute noch bei euch aus?

Matthias Finkenbrink: Ich habe heute noch ein Strahlen im Gesicht, wenn ich daran danke. Das war Emotion pur. Erst die gespannte Ruhe auf dem Platz, dann der unglaubliche Jubel um mich herum, der Weg zur Theke auf den Schultern meiner Mitstreiter, hunderte Gratulanten, Adrenalin pur. Das war wie im Film. Und diesen Film werde ich mein Leben lang nicht vergessen.

  1. Und die letzten Minuten zuvor: wie habt ihr die als Aspiranten empfunden?

DSC_64726_kMatthias Finkenbrink: Durch die Moderation von Fritz Gembries und Stefan Altefrohne war alle Aufmerksamkeit auf uns gelenkt. Das war schon toll. Ganz im Ernst: wir waren auch wie in einem Tunnel, haben abgeschaltet und waren total fokussiert. Und doch hatte ich zwischendurch noch einen Blick für meine Frau. Ich hab zu Ihr geschaut und wusste sofort: Jetzt mach‘ ich Ernst.

  1. Dein Vater August war viele Jahr stellvertretender Bataillonskommandeur. Bekommt man da Schützenbegeisterung in die Wiege gelegt?

Matthias Finkenbrink: Ganz sicher! Es war immer so, dass – auch auf unserem Hof – alles nach dem Schützenfest ausgerichtet wurde. Schützengeist wurde bei uns seit jeher wirklich gelebt. Und das geht bei unseren Kindern weiter. Augusts Enkel haben haben ein paar Tränchen vergossen, als der Opa seinen Säbel und damit das Kommando abgab.

  1. War dein Weg zum Ehrengardisten und Schützenkönig im Erbgut einprogrammiert? Oder war es schon lange dein persönlicher Traum?

Matthias Finkenbrink: Die Begeisterung ist bei uns in der Familie immer schon dagewesen. Aber den Weg bin ich schon selbst gegangen. König zu werden konnte ich mir immer schon vorstellen, konkret als Ziel gesetzt habe ich mir das persönlich aber nie. Vor 10 Jahren haben meine heutigen Thronherren und ich dann in einer Bierlaune auf dem Schützenfest beschlossen, das „Projekt König“ in Angriff zu nehmen. Wir haben dafür gespart, uns vor 3 Jahren kurz ins Gespräch gebracht und dann beschlossen, 2013 erstmalig Ernst zu machen.

  1. Warum träumt man(n) davon, König der Bürgeschützen zu werden?

Matthias Finkenbrink (schmunzelt): König werden ist wie Kinder bekommen. Das kann man nicht beschreiben. Das muss man erlebt haben.

  1. War das auch für die Königin ein Traum? Oder gar ein Alptraum?

Katja Finkenbrink: Mein Traum war es vorher sicher nicht, weil ich eigentlich auch nicht so gern in der ersten Reihe stehe. Aber nach dem Königsschuss war dann alles anders. Diese geballte Herzlichkeit und Freude, die uns überall entgegenschlägt: das ist schon etwas ganz besonderes. Und: Wir genießen jedes Ereignis, das wir als Thron miterleben dürfen. Und auch als Paar. Denn dieses Thronjahr bringt uns gemeinsam viel Zeit, die wir gerne mit tollen Erlebnissen verbringen. Diesen Luxus der gemeinsamen Zeit gönnen wir uns sonst viel seltener. Auch deshalb ist dieses Thronjahr einfach eine geniale Zeit. Von den vielen intensiven Begegnungen zehren wir das ganze Jahr. Das hätte ich vorher niemals geglaubt.

  1. Zurück zum letzten Schützenfest: Einige erinnern sich noch an ernste Gesichter in eurer frühmorgentlichen Runde. Fiel der Entschluss, es wirklich in Angriff zu nehmen, erst kurzfristig?

Matthias Finkenbrink: Eine unserer Throndamen war morgens erkrankt. Also haben wir beschlossen, einfach nur locker mitzuschießen, um uns nochmal ins Gespräch zu bringen. Die endgültige Entscheidung wollten wir während des Königsschießens fällen. Und als dann unsere fehlende Throndame doch auf dem Weg zum Festplatz war, waren wir uns einig: Das ziehen wir jetzt durch.

  1. Selten gab es auf dem Schützenthron diese Uniformvielfalt. Eine Bataillonsjacke, 2 Musikerjacken, 2 Ehrengardejacken, eine davon noch mit der Ehrengardekönigskette geschmückt. Aber schützenverstrahlt im positiven Sinne seid ihr alle gleichermaßen?

DSC_64911_kMatthias Finkenbrink: Klar. Sonst geht man diesen Schritt auch nicht. Mit Stefan Friehe, Uli Rickmann und Ralf Haase war ich schon bei den Jungschützen. Für Andreas Uhkötter begann das aktive Mitwirken am Schützenfest im Orchesterverein ja schon viel früher.

 

  1. Woher kommt euer Motto „Wo wir feiern ist Musik drin“?

Katja Finkenbrink: Das ist sicher nicht nur unserer Feierfreudigkeit geschuldet. Immerhin kommen 2 Thronherren und eine Throndame aus dem Orchesterverein. Und deshalb haben die Musiker für uns natürlich einen ganz besonderen Stellenwert. Denn ohne die gäbe es kein Schützenfest, keine Umzüge, weniger gute Stimmung. Da haben wir schon einen besonderen Draht – insbesondere zum Orchesterverein.

  1. Dem Königsschuss folgt traditionell der Tanz auf der Theke. Dann geht es weiter mit Thronbesprechung, Krönung, Parade, Polonaise, Eröffnungstanz, Gratulationen…: Was bleibt von einem solchen Tag hängen?

Matthias Finkenbrink: Alles. Wir haben jeden Moment aufgesaugt, die Herzlichkeit und Freude genossen. Besonders bewegend war die Krönung auf dem Stiftsmarkt mit dieser tollen Kulisse. Da hab ich Katjas Hand ganz besonders fest gehalten.

  1. Wie waren die Reaktionen in der Familie?

Matthias Finkenbrink: Mein Vater war natürlich unglaublich stolz. Aber auch meine Schwestern haben intensiv mitgefiebert.

Katja Finkenbrink: Mein Vater war vor 45 Jahren ebenfalls Schützenkönig. Der strahlt heute noch und ist immer mit dabei. Mein Bruder beispielsweise hat dem Andreas Uhkötter schon vor langer Zeit versprochen, ihn im Fall der Thronzugehörigkeit am Tenorhorn zu vertreten. Und das Versprechen hat er, obschon er inzwischen in Bochum wohnt, noch am Schützenfestmontag eingelöst. Das war schon toll.

  1. Ihr habt 4 Kinder, seid berufstätig, führt einen landwirtschaftlichen Betrieb, füllt Ehrenämter aus, seit vielfältig aktiv. Und dann noch die Königswürde. Wie bringt ihr das alles unter einen Hut?

Katja Finkenbrink: Wenn man wie wir kleine Kinder hat, ist ein solches Vorhaben nur mit voller Rückendeckung aus der Familie machbar. Dann ist alles planbar. Organisation ist auch sonst unser Alltag. Und diese Phase führt dazu, dass wir noch bewusster leben und gemeinsame Zeit genießen. Schließlich bekommen wir so unglaublich viel zurück.

  1. Trägt die Schützenbegeisterung ein Königspaar durch den Alltag?

Katja Finkenbrink: Definitiv: ja! Nach einem stressigen Tag oder einer anstregenden Woche ein Schützenhighlight: das hat schon was.

  1. Als Ehrengardist von den Jungschützen gefeiert werden: Ist das ein besonderes Gefühl?

Matthias Finkenbrink (augenzwinkernd): Da muss man durch. Aber im Ernst: Ich war auch Jungschütze und habe diese Zeit ausgesprochen genossen. Die Rivalität, die kleinen Nickeligkeiten, die ab und an durchkommen, bereichern doch nur.

  1. Neben den Jungschützen und der Ehrengarde gibt es mit der Formation der Damen nun eine dritte „junge“ Formation. Wie habt ihr diese Gruppe erlebt?

Matthias Finkenbrink: Diese junge Truppe ist einfach eine Bereicherung für den Verein und schon nach so kurzer Zeit schlichtweg nicht mehr wegzudenken. Sie gehören dazu. Punkt.

  1. Und jetzt folgt die Werbung: Warum lohnt es sich , in Freckenhorst König und Königin der Bürgerschützen zu werden?

DSC_64908_kKatja Finkenbrink: Vor allem wegen der tollen Erfahrungen und Erlebnisse. Das ist pures Glück und macht einfach nur Spaß. Wir haben Kontakt zu Menschen bekommen, denen wir sonst vielleicht nie begegnet wären. Und der Zusammenhalt auf unserem Thron ist unglaublich. Wir sind nicht nur Freunde, wir sind ein Team. Egal, wer von den Männern König geworden wäre: Alle hätten vorbehaltlos mitgezogen und sich gefreut.

Matthias Finkenbrink: Ich kann mich nur wiederholen. Das kann man nicht beschreiben, das muss man machen!

 

  1. Nun hast du ein Jahr lang als König die Arbeit im Vorstand miterleben dürfen. Welche Eindrücke nimmst du aus dieser Zeit mit?

Matthias Finkenbrink: Ich hatte keine Vorstellung davon, wie professionell dieser Verein geführt wird. Da geht jeder in die Verantwortung und ist an permanenter Optimierung interessiert. Aber unser Jubiläum in 2011 und die Art und Weise, wie in Freckenhorst Schützenfest gefeiert und Schützenwesen gelebt wird machen ja auch deutlich: Hier wird einiges richtig gemacht.

  1. Eine Frage an die Königin: Wie siehst du deine Rolle?

Katja Finkenbrink: Wir gehen Hand in Hand durch dieses Königsjahr, denn wir sehen uns als Königspaar, als Team. Und in diesem Team hat jeder seine Aufgabe, seine Rolle. So leite ich zum Beispiel die Throntreffen und bereite Vieles vor. Und wir überlegen gemeinsam, was Inhalt der Reden ist, die Matthias halten muss. Generell gilt: Das Königinnendasein ist toll. Das hätte ich in der Form vorher nicht gedacht.

Matthias Finkenbrink: Ohne die Frauen wären wir nix!

  1. Gibt es etwas, das ihr den Aspiranten für den Königsschuss 2014 mit auf den Weg geben wollt?

Matthias Finkenbrink: Kopf ausschalten und draufhalten. Das Königsein funktioniert dann fast von allein. Denn es ist alles perfekt organisiert, der Rückhalt aus dem Vorstand phänomenal. Die Entscheidung, König zu werden, wird niemandem leid tun. Auch wenn es nicht planbar ist: Das muss man mitnehmen, erleben und leben.

  1. „Euer“ Schützenfest ist nicht mehr weit weg. Was überwiegt aktuell: Aufregung oder Vorfreude?

Katja Finkenbrink: Ich denke, ich spreche im Namen der gesamten Throngesellschaft, wenn ich sage: Eindeutig die Freude, die pure Freude. Das geht jetzt so schnell, dass schon fast ein bischen Wehmut dabei ist….!