Eine musikalische Schützenfamilie

Sie sind echte Stützen des Orchestervereins und über die Musik hinaus auch dem Bürgerschützen-Verein verbunden: 4 Erwachsene und 8 Kinder der Musikerfamilie Uhkötter. Im Bild v.l.: Ralf Haase (50, Trompete), Jaron Uhkötter (10, Trompete), Richard Uhkötter (51, Posaune), Jule Uhkötter (17, Klarinette), Dorothee Haase geb. Uhkötter (48, Saxophon), Imke Uhkötter (13, Klarinette), Annika Haase (18, Klarinette), Andreas Uhkötter (49, Tenorhorn), Lars Haase (13, Trompete), Arne Uhkötter (17, Schlagzeug), Carla Uhkötter (15, Querflöte), Jan Haase (15, E-Bass). – Foto: Ismund Kuberski

Nur wenige können aus derart unterschiedlichen Perspektiven auf das Schützenfest blicken wie die Musikerfamilie Uhkötter. 4 Erwachsene und ihre 8 Kinder, allesamt tragende Säulen im Orchesterverein Freckenhorst und obendrein jeder einzelne mit Thronerfahrung im Bürgerschützen-Verein. Grund genug, diesem Perspektivwechel Raum zu geben: Im Interview mit Ralf Böhmer, stellvertretender Geschäftsführer im Bürgerschützen-Verein, äußern sich: Andreas Uhkötter(49, Tenorhorn) mit Arne (17, Schlagzeug), Carla (15, Querflöte), Imke (13, Klarinette) und Jaron (10, Trompete); Richard Uhkötter (51, Posaune) und Jule (17, Klarinette); Dorothee Haase, geb. Uhkötter (48, Saxophon) und Ralf Haase (50, Trompete) mit Annika (18, Klarinette), Jan (15, E-Bass) und Lars (13, Trompete).

Ist ein Leben ohne Blasmusik vorstellbar und sinnvoll?

Alle: Nein!

Richard Uhkötter: Gute Blasmusik ist anspruchsvoll und verbindet jung und alt. Deshalb macht das gemeinsame Musizieren unglaublich viel Spaß. Es ist ein Hobby, das man sein Leben lang betreiben kann.

Andreas Uhkötter: Unser Vater Stephan Uhkötter hat immer gesagt: Wir vom Orchesterverein sind Freudenspender. Denn mit unserer Musik verbreiten wir überall Stimmung und gute Laune. Wir lernen natürlich viele Menschen kennen, aber auch andere Musikvereine. Und das macht deutlich: Musik bringt immer auch Geselligkeit mit sich.

Wird einem Musik in die Wiege gelegt? Oder muss man als Eltern noch Überzeugungsarbeit leisten, um die Kinder zu infizieren?

Dorothee Haase: Unsere Kinder sind alle von selbst zum Instrument gekommen. Und natürlich wurden sie dabei von unserer Begeisterung infiziert – so, wie wir auch von unserem Vater.

Jan Haase: Ich spiele mit dem E-Bass ja eher ein für den Orchesterverein untypisches Instrument. Aber die Geselligkeit und das tolle Miteinander haben mich dann doch zum Orchesterverein geführt. Dabei habe ich festgestellt, dass ein E-Bass gerade für moderne Stücke eine echte Bereicherung ist.

Ralf Haase: Bei uns Zuhause war keiner Musiker. Ich bin durch meinen Freund Andreas Uhkötter zum Trompetenspiel und zum Orchesterverein gekommen – insofern lag in meiner Wiege keine Musik. Aber dank meiner Frau Dorothee haben unsere Kinder sicherlich ein Musiker-Gen mitbekommen. Trotzdem gibt es auch bei ihnen natürlich immer mal wieder eine Phase, in der sich die Lust am Üben in Grenzen hält. Dann ist eben Motivation gefragt. Dazu tragen wir als Eltern unseren Teil bei – aber auch die Gemeinschaft im Verein.

Richard Uhkötter: Zum Musizieren gehört neben viel Probenarbeit aber auch ein hohes Maß an Pflichtbewusstsein. Die unterschiedlichen Instrumentengruppen müssen ausgewogen besetzt sein. Darum können wir es uns bei unseren Auftritten größere Lücken in unseren Reihen nicht leisten.

Gibt es Kriterien, nach denen ihr eure Instrumente ausgewählt habt?

Richard Uhkötter (schmunzelt): Daran ist unser Vater nicht ganz unschuldig. Damals fehlte es dem Orchesterverein an Posaunisten. So habe ich mit Hubert Gronhorst, Michael Zanke und Reinhard Bruns bei Jans Picker auf dem Hof angefangen Posaune zu üben. Insofern ist die Geschichte meiner Instrumentenwahl schnell erzählt.

Andreas Uhkötter: Bei mir war es ähnlich. Außer meinem Vater gab es keinen Tenorhornspieler. Da war ich schnell als Verstärkung identifiziert. Aber auch infiziert.

Dorothee Haase: Ich bin zunächst mit der Klarinette angefangen und erst später aufs Saxophon umgeschwenkt. In den Anfängen übrigens gegen erbitterten Widerstand aus Teilen des Vereins. Denn Anfang der 80er Jahre war der Orchesterverein eine reine Männerdomäne. Sandra Dahlskamp und ich waren damals auf Betreiben meines Vaters die Türöffner für viele weitere Frauen im Verein.

Was macht den Orchesterverein so besonders? Warum engagiert ihr euch dort so stark?

Andreas Uhkötter: Wir sind da natürlich familienbedingt reingewachsen. Aber unsere Begeisterung ist ungebrochen. Darum bin ich seit mittlerweile 18 Jahren Vorsitzender, Richard seit 25 Jahren Kassenwart und Dorothee war 9 Jahre lang Jugendwartin. Eigentlich eine lange Zeit, die uns allen rückblickend aber eher kurz vorkommt, weil sie von so vielen tollen Erlebnissen geprägt ist – zum Beispiel einer Konzertreise nach Prag, vielen gemeinsamen Probenwochenenden außerhalb von Freckenhorst und dem Austausch mit vielen anderen Musikvereinen.

Dorothee Haase: Bei uns ist die Bandbreite an Instrumenten und dadurch die Musikauswahl sehr groß. Wir spielen fast alle Genres egal ob Marschmusik, Kirchenmusik, konzertante Musik, Rock oder Pop.

Richard Uhkötter: Und mit dieser musikalischen Bandbreite ist es uns auch immer gelungen, die Jugend mit einzubinden. Denn die starke Jugendarbeit ist das Kapital unseres Vereins.

Ist Blasmusik für Jugendliche nicht „uncool“?

Alle Jugendlichen: Nö, Blasmusik ist voll geil!

Arne Uhkötter: Wir haben bei uns im Verein miteinander unglaublich viel Spaß – und zwar mit Gleichaltrigen und eben auch mit Älteren.

Annika Haase: Und viele unserer Freunde sind im Schützenverein oder zumindest auf dem Schützenfest aktiv. Da bekommen wir schon sehr viel Zuspruch.

Für den Schützen ist ein Schützenfest ohne Musik sicher nicht vorstellbar. Welchen Stellenwert hat das Bürgerschützenfest für euch?

Richard Uhkötter: Das Schützenfest hat für uns alle einen hohen Stellenwert. Für jeden einzelnen und für uns als Verein. Denn dann sind immer alle fast 50 Musiker mit dabei. Auch viele auswärtige Musiker stoßen zum Schützenfest zu uns und spielen gerne mit – nur weil das Freckenhorster Fest so einmalig toll ist.

Ralf Haase: Wenn unsere Konzerte musikalische Highlights für uns sind, dann ist das Schützenfest sicher das gesellige und gesellschaftliche Highlight. Denn wenn das ganze Dorf auf den Beinen ist und unabhängig von Alter und Herkunft gemeinsam gefeiert wird – das ist schon etwas ganz Besonderes.

Andreas Uhkötter: Darum ist für uns alle eine urlaubsbedingte Abwesenheit über Schützenfest auch völlig ausgeschlossen. Das hat unser Vater schon so praktiziert. Wenn wir dann doch mal über Schützenfest in Österreich waren, ist er die 1000 Kilometer aus dem Urlaub mit dem Auto nach Freckenhorst und wieder zurück gefahren – nur, um 2 Tage auf dem Schützenfest zu musizieren.

Gibt es ein prägendes Erlebnis in eurem Schützen- oder Musikerleben?

Dorothee Haase: Ich war nicht nur die erste Frau im Orchesterverein, sondern auch die erste Frau, die 1999 den allgemeinen Hampelmann beim Schützenfest abgeschossen hat. Das war natürlich ein besonderes Erlebnis.

Andreas Uhkötter: Für uns war das sicher unser Thronjahr 2013/2014 mit König Matthias Finkenbrink. Es gibt nix Schöneres im Schützen- und Musikerleben.

Richard Uhkötter: Da kann ich mich nur anschließen. Als Thronherr, in meinem Fall 2000 bei König Dieter Brüggemann, erlebt man Schützenfest aus einer ganz anderen Perspektive als aus Musikersicht.

Was sind eure persönlichen Highlights im Festprogramm? Worauf freut ihr euch am meisten?

Richard Uhkötter: Für mich ist es zum einen die Schützenmesse, die wir vom „tiefen Blech“ zusammen mit dem Fanfarenzug seit vielen Jahren musikalisch mitgestalten. Zum anderen sind es die Veranstaltungen auf unserem Stiftsmarkt, insbesondere die Krönungszeremonie. Das hat einfach ein unverwechselbares Flair, weil auch so viele Zuschauer anwesend sind. Und im Thronjahr war es der Empfang am Schloss Freckenhorst.

Andreas Uhkötter: Eine tolle interne Tradition des Orchestervereins ist das gemeinsame Frühstück auf dem Festplatz am frühen Montagmorgen. Da starten wir mit einem tollen Gemeinschaftserlebnis in den langen Tag. Musikalischer Höhepunkt ist für mich das Ständchen, das wir dem neuen Thron am Montagabend im Zelt spielen.

Und wie sieht es bei der Jugend aus?

Jule Uhkötter: Mein persönliches Highlight ist die Feier im Zelt direkt nach dem Königsschuss. Da herrscht einfach tolle Stimmung, da gehen alle voll mit – und da macht das Musizieren richtig Spaß.

Annika Haase: Die Festbälle am Sonntag und Montag sind für uns sogar ein schöneres Erlebnis als die Zeltparty. Denn diese Feiern sind einmalig. Stimmung, Gemeinschaft, Zusammenhalt, da passt einfach alles.

Arne Uhkötter: Schön ist auch die vereinsinterne Schützenfest-Vorfeier am Freitagabend. Bei Spanferkel, Pizza oder Gegrilltem feiern wir mal ohne Instrumente.

Gibt es Besonderheiten im Repertoire des Orchestervereins, auf die sich Schützen und Gäste besonders freuen dürfen?

Dorothee Haase: Wir üben in jedem Jahr 5 bis 10 neue Stücke ein. Jetzt aktuell zum Beispiel ein Coldplay-Medley und Firework von Katy Perry. Insgesamt umfasst unser Repertoire inzwischen rund 200 Stücke – quer durch alle Genre.

Ihr wart alle bereits Mitglied einer Throngesellschaft. Hat diese Thronerfahrung euch noch stärker an den Bürgerschützenverein gebunden?

Ralf Haase: Definitiv ja. Die Stimmung in einem Thronjahr ist einfach unbeschreiblich. Man lernt unglaublich viele Menschen kennen, dazu auch viele Gruppierungen und Formationen im Verein. Und man erlebt Programmpunkte, die man aus Musikersicht nicht zwingend mitbekommt.

Andreas Uhkötter: Außerdem lernt man die Arbeit des Schützenvorstands und der anderen Formationen richtig zu schätzen.

Gibt es eigene Ambitionen auf den Königstitel? Oder den der Königin?

Richard Uhkötter (augenzwinkernd): Das weiß man nicht. Vielleicht mal irgendwann, wenn’s passt….

Dorothee Haase: Nachdem ich schon erste Hampelmannkönigin war, gibt es vielleicht später mal die Option auf höheres…. Wer weiß? Das wäre nochmal eine ganz andere Perspektive…