Schützenmesse: späterer Beginn und feierliches Ende

Der Rahmen der Freckenhorster Schützenmesse ist Jahr für Jahr der gleiche. Und doch ist dieser Festgottesdienst alljährlich ein ganz besonderes Highlight im Festablauf. Für viele ein Auftakt nach Maß und – sogar nach ausgiebigem Zeltfestbesuch am Samstag – ein absolutes Muss am Sonntagmorgen. Dafür sorgen Fahnenabordnungen, Chargierte, Messdiener in Uniform, Lektoren aus den Reihen des Vereins und nicht zuletzt die einmalige Symbiose aus Blechblasmusik und Stiftskirchenakustik.

Die Schützenmesse beginnt in diesem Jahr um 10.30 Uhr – also eine halbe Stunde später als in den Vorjahren. Dazu treffen sich die Schützen in zivil und mit Schützenhut oder auch bereits uniformiert um 10.15 Uhr auf dem Stiftsmarkt und ziehen gemeinsam in die Kirche ein, wo die vorderen Sitzreihen reserviert sind.

Für den Auszug nach der Messe haben sich die Bürgerschützen etwas Besonderes ausgedacht. Ehrengarde und Fahnenabordnungen werden vor der Kirche ein Spalier bilden, durch das die Throngesellschaft zu Klängen des Spielmannszuges aus der Kirche ziehen wird. Im Anschluss besteigt die Throngesellschaft die vor der Kirche wartenden festlich geschmückten Kutschen und startet direkt zum Schloss Freckenhorst, wo der Vorstand Majestäten und Ehrengäste zum Empfang erwartet.

Freckenhorster Zeltfest: Party-Treff für Jung und Alt

Auch hier feiern Generationen zusammen und beweisen, dass die Schützenidee vom übergreifenden Zusammenhalt funktioniert: Das Freckenhorster Zeltfest wird am letzten Samstag im Juli aber nicht nur Besuchermagnet für viele Freckenhorster sondern für bis zu 3000 Feierfreudige aus dem weiten Umkreis. Denn in lauer Sommernacht finden hier eine klassische Zeltparty (indoor) und eine Oldie-Party (outdoor) quasi unter einem Dach statt. Im Festzelt sorgt DJ Marko für tanzbare Musik ohne Pausen und auf der Außenbühne zelebriert „Sykfire“ Klassiker der Rock- und Popgeschichte. Damit dürfte fast jeder Musikgeschmack bedient werden.

Einlass auf den Festplatz ist ab 20 Uhr, der Eintritt beträgt in diesem Jahr 7 Euro – wobei Mitglieder des Bürgerschützen-Vereins mit der Festeinladung Gutscheine zum ermäßigten Eintritt erhalten haben. Aufmerksam machen die Veranstalter von Berittenem Fanfarenzug und Bürgerschützen-Verein noch darauf, dass in unmittelbarer Nähe des Festplatzes die Nachbus-Haltestelle „Westkirchener Straße“ liegt. Diese Anbindung an die Linie N3 ermöglicht Nachschwärmern aus Beckum, Neubeckum, Ennigerloh, Westkirchen, Everswinkel und Münster eine sichere und kostengünstige An- und Heimreise.

Schützenfest in den Seniorenwohnheimen: Bürgerschützen ändern Besuchstermin

Nachdem der Besuch der Seniorenwohnheime im Vorjahr Opfer der hohen Temperaturen geworden ist, starten die Bürgerschützen 2019 einen neuen Anlauf mit verändertem Ablauf.

„Auf Wunsch der Seniorenheime besuchen wir die Bewohner nun bereits am Vormittag“, informiert Vorstandsmitglied Christian Murrenhoff, der gemeinsam mit Thomas Helmer und Winfried Klosterkamp die Besuche koordiniert. Der Termin am Vormittag habe viele Vorteile, informiert Murrenhoff. Die Temperaturen seien auch im Hochsommer noch erträglich, die Bewohner vitaler und die personelle Besetzung in den Wohnheimen besser.

Die Bewohner selbst freuen sich schon lange im Vorfeld auf die Schützenschar bestehend aus Vorstand, Throngesellschaft, Kinderthron, ehemaligen Vorständen, Ehrenmitgliedern und den Nachwuchsmusikern des Berittenen Fanfarenzuges. Bei vielen werden durch den farbenfrohen Aufmarsch, die Musik und das Mitsingen lebhafte Erinnerungen wach.

 „Für uns Schützen ist dieser Besuch wichtiger Bestandteil unseres Festes“, so Christian Murrenhoff, „wollen wir doch alle Freckenhorster – unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Glaubensrichtung und eben auch Alter – in unsere Feierlichkeit einbeziehen.“ So freuen sich die Bürgerschützen auch auf die Teilnahme der Bewohner an der Schützenmesse und deren Besuch auf dem Festplatz.

Eine musikalische Schützenfamilie

Sie sind echte Stützen des Orchestervereins und über die Musik hinaus auch dem Bürgerschützen-Verein verbunden: 4 Erwachsene und 8 Kinder der Musikerfamilie Uhkötter. Im Bild v.l.: Ralf Haase (50, Trompete), Jaron Uhkötter (10, Trompete), Richard Uhkötter (51, Posaune), Jule Uhkötter (17, Klarinette), Dorothee Haase geb. Uhkötter (48, Saxophon), Imke Uhkötter (13, Klarinette), Annika Haase (18, Klarinette), Andreas Uhkötter (49, Tenorhorn), Lars Haase (13, Trompete), Arne Uhkötter (17, Schlagzeug), Carla Uhkötter (15, Querflöte), Jan Haase (15, E-Bass). – Foto: Ismund Kuberski

Nur wenige können aus derart unterschiedlichen Perspektiven auf das Schützenfest blicken wie die Musikerfamilie Uhkötter. 4 Erwachsene und ihre 8 Kinder, allesamt tragende Säulen im Orchesterverein Freckenhorst und obendrein jeder einzelne mit Thronerfahrung im Bürgerschützen-Verein. Grund genug, diesem Perspektivwechel Raum zu geben: Im Interview mit Ralf Böhmer, stellvertretender Geschäftsführer im Bürgerschützen-Verein, äußern sich: Andreas Uhkötter(49, Tenorhorn) mit Arne (17, Schlagzeug), Carla (15, Querflöte), Imke (13, Klarinette) und Jaron (10, Trompete); Richard Uhkötter (51, Posaune) und Jule (17, Klarinette); Dorothee Haase, geb. Uhkötter (48, Saxophon) und Ralf Haase (50, Trompete) mit Annika (18, Klarinette), Jan (15, E-Bass) und Lars (13, Trompete).

Ist ein Leben ohne Blasmusik vorstellbar und sinnvoll?

Alle: Nein!

Richard Uhkötter: Gute Blasmusik ist anspruchsvoll und verbindet jung und alt. Deshalb macht das gemeinsame Musizieren unglaublich viel Spaß. Es ist ein Hobby, das man sein Leben lang betreiben kann.

Andreas Uhkötter: Unser Vater Stephan Uhkötter hat immer gesagt: Wir vom Orchesterverein sind Freudenspender. Denn mit unserer Musik verbreiten wir überall Stimmung und gute Laune. Wir lernen natürlich viele Menschen kennen, aber auch andere Musikvereine. Und das macht deutlich: Musik bringt immer auch Geselligkeit mit sich.

Wird einem Musik in die Wiege gelegt? Oder muss man als Eltern noch Überzeugungsarbeit leisten, um die Kinder zu infizieren?

Dorothee Haase: Unsere Kinder sind alle von selbst zum Instrument gekommen. Und natürlich wurden sie dabei von unserer Begeisterung infiziert – so, wie wir auch von unserem Vater.

Jan Haase: Ich spiele mit dem E-Bass ja eher ein für den Orchesterverein untypisches Instrument. Aber die Geselligkeit und das tolle Miteinander haben mich dann doch zum Orchesterverein geführt. Dabei habe ich festgestellt, dass ein E-Bass gerade für moderne Stücke eine echte Bereicherung ist.

Ralf Haase: Bei uns Zuhause war keiner Musiker. Ich bin durch meinen Freund Andreas Uhkötter zum Trompetenspiel und zum Orchesterverein gekommen – insofern lag in meiner Wiege keine Musik. Aber dank meiner Frau Dorothee haben unsere Kinder sicherlich ein Musiker-Gen mitbekommen. Trotzdem gibt es auch bei ihnen natürlich immer mal wieder eine Phase, in der sich die Lust am Üben in Grenzen hält. Dann ist eben Motivation gefragt. Dazu tragen wir als Eltern unseren Teil bei – aber auch die Gemeinschaft im Verein.

Richard Uhkötter: Zum Musizieren gehört neben viel Probenarbeit aber auch ein hohes Maß an Pflichtbewusstsein. Die unterschiedlichen Instrumentengruppen müssen ausgewogen besetzt sein. Darum können wir es uns bei unseren Auftritten größere Lücken in unseren Reihen nicht leisten.

Gibt es Kriterien, nach denen ihr eure Instrumente ausgewählt habt?

Richard Uhkötter (schmunzelt): Daran ist unser Vater nicht ganz unschuldig. Damals fehlte es dem Orchesterverein an Posaunisten. So habe ich mit Hubert Gronhorst, Michael Zanke und Reinhard Bruns bei Jans Picker auf dem Hof angefangen Posaune zu üben. Insofern ist die Geschichte meiner Instrumentenwahl schnell erzählt.

Andreas Uhkötter: Bei mir war es ähnlich. Außer meinem Vater gab es keinen Tenorhornspieler. Da war ich schnell als Verstärkung identifiziert. Aber auch infiziert.

Dorothee Haase: Ich bin zunächst mit der Klarinette angefangen und erst später aufs Saxophon umgeschwenkt. In den Anfängen übrigens gegen erbitterten Widerstand aus Teilen des Vereins. Denn Anfang der 80er Jahre war der Orchesterverein eine reine Männerdomäne. Sandra Dahlskamp und ich waren damals auf Betreiben meines Vaters die Türöffner für viele weitere Frauen im Verein.

Was macht den Orchesterverein so besonders? Warum engagiert ihr euch dort so stark?

Andreas Uhkötter: Wir sind da natürlich familienbedingt reingewachsen. Aber unsere Begeisterung ist ungebrochen. Darum bin ich seit mittlerweile 18 Jahren Vorsitzender, Richard seit 25 Jahren Kassenwart und Dorothee war 9 Jahre lang Jugendwartin. Eigentlich eine lange Zeit, die uns allen rückblickend aber eher kurz vorkommt, weil sie von so vielen tollen Erlebnissen geprägt ist – zum Beispiel einer Konzertreise nach Prag, vielen gemeinsamen Probenwochenenden außerhalb von Freckenhorst und dem Austausch mit vielen anderen Musikvereinen.

Dorothee Haase: Bei uns ist die Bandbreite an Instrumenten und dadurch die Musikauswahl sehr groß. Wir spielen fast alle Genres egal ob Marschmusik, Kirchenmusik, konzertante Musik, Rock oder Pop.

Richard Uhkötter: Und mit dieser musikalischen Bandbreite ist es uns auch immer gelungen, die Jugend mit einzubinden. Denn die starke Jugendarbeit ist das Kapital unseres Vereins.

Ist Blasmusik für Jugendliche nicht „uncool“?

Alle Jugendlichen: Nö, Blasmusik ist voll geil!

Arne Uhkötter: Wir haben bei uns im Verein miteinander unglaublich viel Spaß – und zwar mit Gleichaltrigen und eben auch mit Älteren.

Annika Haase: Und viele unserer Freunde sind im Schützenverein oder zumindest auf dem Schützenfest aktiv. Da bekommen wir schon sehr viel Zuspruch.

Für den Schützen ist ein Schützenfest ohne Musik sicher nicht vorstellbar. Welchen Stellenwert hat das Bürgerschützenfest für euch?

Richard Uhkötter: Das Schützenfest hat für uns alle einen hohen Stellenwert. Für jeden einzelnen und für uns als Verein. Denn dann sind immer alle fast 50 Musiker mit dabei. Auch viele auswärtige Musiker stoßen zum Schützenfest zu uns und spielen gerne mit – nur weil das Freckenhorster Fest so einmalig toll ist.

Ralf Haase: Wenn unsere Konzerte musikalische Highlights für uns sind, dann ist das Schützenfest sicher das gesellige und gesellschaftliche Highlight. Denn wenn das ganze Dorf auf den Beinen ist und unabhängig von Alter und Herkunft gemeinsam gefeiert wird – das ist schon etwas ganz Besonderes.

Andreas Uhkötter: Darum ist für uns alle eine urlaubsbedingte Abwesenheit über Schützenfest auch völlig ausgeschlossen. Das hat unser Vater schon so praktiziert. Wenn wir dann doch mal über Schützenfest in Österreich waren, ist er die 1000 Kilometer aus dem Urlaub mit dem Auto nach Freckenhorst und wieder zurück gefahren – nur, um 2 Tage auf dem Schützenfest zu musizieren.

Gibt es ein prägendes Erlebnis in eurem Schützen- oder Musikerleben?

Dorothee Haase: Ich war nicht nur die erste Frau im Orchesterverein, sondern auch die erste Frau, die 1999 den allgemeinen Hampelmann beim Schützenfest abgeschossen hat. Das war natürlich ein besonderes Erlebnis.

Andreas Uhkötter: Für uns war das sicher unser Thronjahr 2013/2014 mit König Matthias Finkenbrink. Es gibt nix Schöneres im Schützen- und Musikerleben.

Richard Uhkötter: Da kann ich mich nur anschließen. Als Thronherr, in meinem Fall 2000 bei König Dieter Brüggemann, erlebt man Schützenfest aus einer ganz anderen Perspektive als aus Musikersicht.

Was sind eure persönlichen Highlights im Festprogramm? Worauf freut ihr euch am meisten?

Richard Uhkötter: Für mich ist es zum einen die Schützenmesse, die wir vom „tiefen Blech“ zusammen mit dem Fanfarenzug seit vielen Jahren musikalisch mitgestalten. Zum anderen sind es die Veranstaltungen auf unserem Stiftsmarkt, insbesondere die Krönungszeremonie. Das hat einfach ein unverwechselbares Flair, weil auch so viele Zuschauer anwesend sind. Und im Thronjahr war es der Empfang am Schloss Freckenhorst.

Andreas Uhkötter: Eine tolle interne Tradition des Orchestervereins ist das gemeinsame Frühstück auf dem Festplatz am frühen Montagmorgen. Da starten wir mit einem tollen Gemeinschaftserlebnis in den langen Tag. Musikalischer Höhepunkt ist für mich das Ständchen, das wir dem neuen Thron am Montagabend im Zelt spielen.

Und wie sieht es bei der Jugend aus?

Jule Uhkötter: Mein persönliches Highlight ist die Feier im Zelt direkt nach dem Königsschuss. Da herrscht einfach tolle Stimmung, da gehen alle voll mit – und da macht das Musizieren richtig Spaß.

Annika Haase: Die Festbälle am Sonntag und Montag sind für uns sogar ein schöneres Erlebnis als die Zeltparty. Denn diese Feiern sind einmalig. Stimmung, Gemeinschaft, Zusammenhalt, da passt einfach alles.

Arne Uhkötter: Schön ist auch die vereinsinterne Schützenfest-Vorfeier am Freitagabend. Bei Spanferkel, Pizza oder Gegrilltem feiern wir mal ohne Instrumente.

Gibt es Besonderheiten im Repertoire des Orchestervereins, auf die sich Schützen und Gäste besonders freuen dürfen?

Dorothee Haase: Wir üben in jedem Jahr 5 bis 10 neue Stücke ein. Jetzt aktuell zum Beispiel ein Coldplay-Medley und Firework von Katy Perry. Insgesamt umfasst unser Repertoire inzwischen rund 200 Stücke – quer durch alle Genre.

Ihr wart alle bereits Mitglied einer Throngesellschaft. Hat diese Thronerfahrung euch noch stärker an den Bürgerschützenverein gebunden?

Ralf Haase: Definitiv ja. Die Stimmung in einem Thronjahr ist einfach unbeschreiblich. Man lernt unglaublich viele Menschen kennen, dazu auch viele Gruppierungen und Formationen im Verein. Und man erlebt Programmpunkte, die man aus Musikersicht nicht zwingend mitbekommt.

Andreas Uhkötter: Außerdem lernt man die Arbeit des Schützenvorstands und der anderen Formationen richtig zu schätzen.

Gibt es eigene Ambitionen auf den Königstitel? Oder den der Königin?

Richard Uhkötter (augenzwinkernd): Das weiß man nicht. Vielleicht mal irgendwann, wenn’s passt….

Dorothee Haase: Nachdem ich schon erste Hampelmannkönigin war, gibt es vielleicht später mal die Option auf höheres…. Wer weiß? Das wäre nochmal eine ganz andere Perspektive…

Moderation durch eingespieltes „Zweigestirn“

Ein Prinz moderiert in diesem Jahr das Königsschießen der Bürgerschützen: Fritz Gembries (im Bild links), amtierende Tollität der KG Silber-Blau, hat zu diesem Zweck aber nicht Bauer und Jungfrau an seiner Seite, sondern wie in den Vorjahren Stefan Altefrohne. Das eingespielte „Zweigestirm“ versorgt wie in den Vorjahren den vollbesetzten Festplatz am Schützenfestmontag mit spannenden Informationen zum Schießablauf sowie zum Zustand des Hölzernen Adlers, gibt auf humorvolle Art Informationen über die Aspiranten weiter und wird sicher unter den Gästen auch den einen oder anderen interessanten Gesprächspartner ausmachen.

Diese im Umkreis einmalige Moderation hat sich etabliert. Königsaspiranten und Zuschauer berichteten in den Vorjahren von einer zuvor nie da gewesenen Fokussierung sämtlicher Festplatzbesucher auf die Vogelstange. Entsprechend intensiv waren zuletzt das Mitfiebern und die Freude über die neue Majestät.

Majestät 2019: Erstmals eine Königin?

Königsschießen 2018: Mit dem 398. Schuss, davon 39 „Königskugeln“, sicherte sich der Major und stellvertretende Bataillonskommandeur Uwe Rottenberg (im Bild auf den Schultern seiner Mitstreiter) um 15.04 Uhr die Königswürde. 12 Mitstreitern hatten sich ein unfassbar spannendes Ringen um die Königswürde geliefert und das mitfiebernde Schützenvolk (Foto) begeistert. Mit einer ähnlich hohen Anzahl an Aspiranten dürfte auch in diesem Jahr zu rechnen sein. Und die meistgestellte Frage in Schützenkreisen lautet, ob sich wohl erstmals eine Frau in den Kreis der finalen Aspiranten einreiht – und der Verein erstmals in seiner 183-jährigen Geschichte von einer Frau regiert wird.

Insgesamt 90 Frauen erfüllen aktuell die Voraussetzungen zum Königsschuss, die derzeit eine 3-jährige Mitgliedschaft, die Vollendung des 25. Lebensjahres sowie einen Wohnsitz in Freckenhorst umfassen. Die Mitglieder sind gespannt, der Vorstand vorbereitet, berichtet Oberst Thomas Feldmann: „Geredet wird schon lange über die mögliche erste Königin. Vielleicht ist ja dieses Fest der richtige Zeitpunkt, dass die ersten Frauen den Worten Taten folgen lassen und sich dem Wettstreit stellen. Die Hausaufgaben seitens des Vereins sind gemacht. Wir freuen uns auf die ersten Anwärterinnen an der Vogelstange.“ 

Formation der Damen stellt 10 Prozent des Gesamtvereins

Sieben Jahre, nachdem der Verein sich mit großer Mehrheit auch weiblichen Mitgliedern geöffnet hat, vereint die Formation der Damen deutlich über 100 Mitglieder in ihren Reihen. „Wenn der Zuwachs noch 2 Jahre in gleicher Form anhält, knacken wir 2020 die 150-Mitglieder-Grenze“, ist Kommandeurin Anne Dühlmann begeistert. Schon jetzt stellt die junge Formation rund 10 Prozent der Mitglieder des Gesamtvereins.

Basis dieser Erfolgsgeschichte sind das geschlossene Auftreten der Formation und die prächtige Stimmung die nicht nur untereinander herrscht, sondern auch während der Festtage mit hohem Anspruch an das eigene Auftreten verbreitet wird. „Mitgliederwerbung im eigentlichen Sinne machen wir gar nicht“, so Anne Dühlmann. „Aber die Begeisterung zieht so weite Kreise, dass sogar junge Damen aus Wolbeck, Füchtorf, Westkirchen und Warendorf bei uns aktiv sind.“

Die heiße Schützenfestphase beginnt für die Damen stets mit dem Marschieren üben 2 Wochen vor dem Fest. Während man es beim Zelt schmücken im Vergleich zu den Jungschützen noch relativ ruhig angehen lässt, folgt am Samstag der interne Programmhöhepunkt der Formation: Die „Taufe“ der neuen Mitglieder. „Da haben wir die höchste Beteiligung – und die beste Stimmung“, ist sich Dühlmann sicher. Toll sei auch, dass man anschließend gemeinsam das Zeltfest „stürme“. Ansonsten ist der Schützenfestsonntag natürlich der Haupttag der Damen, wird doch dann auch die interne Formationskönigin ausgeschossen.

Und einige Damen werfen auch schon mal einen Blick auf den „großen Vogel“. Sollte sich eine der Damen in den nächsten Jahren trauen, diesen abzuschießen, dann, ist sich Anne Dühlmann sicher, gibt es bei den Damen kein Halten mehr.

Ganz Freckenhorst erstrahlt in grün und weiß

Im letzten Jahr hat der Vorstand der Bürgerschützen mit einer Bestandsaufnahme aller Gruppierungen begonnen, die im Vorfeld des Schützenfestes für grün-weißen Fahnenschmuck in der Stiftsstadt sorgen. Das Ergebnis ist beeindruckend: 38 Gruppen sind bis dato dokumentiert – und das Ende der sprichwörtlichen Fahnenstange lange nicht erreicht. „Wir bitten alle Nachbarschaften und Freundeskreise, die für Straßenschmuck zum Schützenfest sorgen, sich bei uns zu melden und ein Foto der Gruppe einzureichen“, so Initiator Uwe Rottenberg, in diesem Jahr zu gleich Majestät der Bürgerschützen.

Die Fotos der Fahnengruppen (hier das imposante Foto der Gruppe „Schützenfahnen Bonifatius 2005“ auf den Zinnen des Ostwerks der Stiftskirche) werden dann auf der Homepage der Bürgerschützen veröffentlicht – und der Vorstand wird in jedem Jahr eine Gruppierung oder einen Zusammenschluss mehrerer Gruppen mit einer flässigen Überraschung im Gepäck besuchen. Im letzten Jahr haben sich die Helfer der oberen und unteren Westkirchener Straße sehr über den Besuch gefreut. Auch in diesem Jahr dürfen die Fahnenkommandos gespannt sein, wer überraschenden Besuch erhält.

Mit Blick auf das 50-jährige Jubiläum der Jungschützen in 2020 und den 100. Geburtstag der Ehrengarde in 2025 rief Rottenberg im Rahmen der Generalversammlung dazu auf, den Ortsschmuck weiter zu intensivieren. Fahnen, Wimpelketten und sogenannte Streetbanner sind erhältlich, Kontaktdaten für den Erwerb finden sich auf der Homepage der Bürgerschützen.

Schlossempfang

Ein besonderes Highlight für jede Throngesellschaft ist der Empfang im Garten von Schloss Freckenhorst. Wenn die Kutschen vor der malerischen Kulisse auffahren, der Vorstand ein Spalier für die Majestäten bildet und Marschmusik erklingt, dann „schlägt dem Schützen das Herze in der Brust“.

Jubiläumskönige prägen Vereinsleben

Im Korps der Könige haben sich alle Schützenkönige des Bürgerschützen-Vereins Freckenhorst zusammengeschlossen, darunter zahlreiche Bürgerschützen, die durch großes ehrenamtliches Engagement das Vereinsleben maßgeblich mitgeprägt haben. Die aktive Formation trifft sich mehrmals im Jahr zu verschiedenen Anlässen. Auf der jüngsten Sommerversammlung wurde unter anderem die amtierende Majestät Uwe Rottenberg einer umfassenden Prüfung unterzogen und nach langwieriger Verhandlung dann doch wie erwartet in die Reihen des Korps aufgenommen.

Die diesjährigen Jubiläumskönige sind Elmar Halbuer (2009, 10 Jahre), Horst Pawlowski (1994, 25 Jahre) und Bernhard Witczak (1979, 40 Jahre). v.r.n.l.

In diesem Jahr feiern folgende „königliche Brüder“ ihr Königsjubiläum: Elmar Halbuer (10 Jahre), Horst Pawlowski (25), Bernhard Witczak (40) und Bernhard Tünte (U50). Auch rückblickend ist das Königsjahr für alle Majestäten noch immer ein außergewöhnliches und unvergessliches Erlebnis. „Als König wird man von einer ganz besonderen Stimmung durch das Jahr getragen“, erinnert sich beispielsweise Elmar Halbuer noch immer gerne an sein Königsjahr und insbesondere die emotionale Feier unmittelbar nach seinem Königsschuss. Für Horst Pawlowski war 1994 ein besonderes Jahr. Kurz nach dem Erhalt des Treueordens für 25-jährige Mitgliedschaft schoss er sich in einer wahren Hitzeschlacht zum neuen König der Bürgerschützen. Besonders gern erinnert er sich an den damals erstmalig stattgefundenen Empfang im Garten von Schloss Freckenhorst: „Das war Gänsehautfeeling pur und ist dank der schützenbegeisterten Schlossherren von Westerholt längst zur Tradition geworden“. Auch Bernhard Witczak erinnert er sich gerne an die vielen schönen Erlebnisse und ist dafür insbesondere seiner Königin Hedwig sowie der gesamten Throngesellschaft sehr dankbar.

Einen Unterschied zwischen dem viele Jahre zurück liegenden eigenen Königsjahr und dem Erleben der heutigen Majestäten kann keiner der drei Jubiläumskönige ausmachen. „Ich bin mir sicher, dass heutige Könige und Throngesellschaften genauso viel Freude haben, wie wir zu unserer Zeit“, so Bernhard Witczak. Allerdings habe der Thron heute deutlich weniger verpflichtende Aufgaben, so Elmar Halbuer, ergänzt aber, dass er alle Termine im Thronjahr genossen habe und keinen einzigen missen möchte. Aus Sicht von Horst Pawlowski ist es heute wie zu seiner Zeit für jeden Schützen möglich, König zu werden, „wenn er denn eine gute Mannschaft um sich hat“. Hier sei insbesondere dem Vorstand zu danken, der stets gut über die richtigen Rahmenbedingungen wache.

Ein großer Vorteil für das Schützenwesen in Freckenhorst ist aus Sicht der Jubiläumskönige, dass es nur einen Verein in der Stiftsstadt gibt. Insofern war die nun 70 Jahre zurück liegende Fusion der vormals zwei Vereine zum Bürgerschützen-Verein genau der richtige Schritt. „Hier feiern alle zusammen ein tolles Fest – unabhängig von Alter, Konfession und sozialer Herkunft“, lobt Elmar Halbuer. Und alle freuen sich gleichermaßen auf den jährlichen Festreigen. So wie Horst Pawlowski: „Denn nach dem Fest ist vor dem Fest. Man wartet nach dem Ausklang am Dienstagabend gerne 360 Tage darauf, dass es wieder losgeht – gemäß dem Vereinslied „Wenn im Monat Juli die Schützen ziehen aus….“

40 Jahre ist es her, dass Bernhard Witczak sich zum umjubelten König der Bürgerschützen schoss. Das Foto zeigt ihn mit seiner Throngesellschaft (v.l.): Berni und Elisabeth Eickelmann, Uwe und Barbara Krogbäumker, Königin Hedwig und König Bernhard Witczak, August und Hildegard Weiser, Wulf-Erich und Liesel Marten.
40 Jahre ist es her, dass Bernhard Witczak sich zum umjubelten König der Bürgerschützen schoss. Das Foto zeigt ihn mit seiner Throngesellschaft (v.l.): Berni und Elisabeth Eickelmann, Uwe und Barbara Krogbäumker, Königin Hedwig und König Bernhard Witczak, August und Hildegard Weiser, Wulf-Erich und Liesel Marten.
Vor 25 Jahren gelang es Horst Pawlowski im Rahmen der Feierlichkeiten „500 Jahre Freckenhorster Schützentradition“, mit dem 504. Schuss den noch fast vollständigen Adler von der Stange zu holen. Das Foto zeigt ihn mit seiner Throngesellschaft (vorne v. l.): Christiane Halbuer und Richard Niewöhner, Königin Mechthild Marberg und König Horst Pawlowski, Mechthild Pawlowski und Peter Marberg, (hinten v. l.) Mechthild Niewöhner und Dr. Volker Gutberlet, Hildegard Wolff und Bernhard Halbuer, Karin Gutberlet und Bernfried Wolff. Rechts im Bild der damalige Vizepräsident Georg Schreiber.
Vor 25 Jahren gelang es Horst Pawlowski im Rahmen der Feierlichkeiten „500 Jahre Freckenhorster Schützentradition“, mit dem 504. Schuss den noch fast vollständigen Adler von der Stange zu holen. Das Foto zeigt ihn mit seiner Throngesellschaft (vorne v. l.): Christiane Halbuer und Richard Niewöhner, Königin Mechthild Marberg und König Horst Pawlowski, Mechthild Pawlowski und Peter Marberg, (hinten v. l.) Mechthild Niewöhner und Dr. Volker Gutberlet, Hildegard Wolff und Bernhard Halbuer, Karin Gutberlet und Bernfried Wolff. Rechts im Bild der damalige Vizepräsident Georg Schreiber.
Vor 10 Jahren regierte Elmar Halbuer an der Seite seiner Königin und Ehefrau Anne die Bügerschützen. Das Foto zeigt die Throngesellschaft (v.l.): Anne und Paul Gronewäller, Petra und Helmut Mußenbrock, Anne (Königin) und Elmar Halbuer (König), Norbert und Eva Westfechtel, Norbert und Angelika Brinkmann.
Vor 10 Jahren regierte Elmar Halbuer an der Seite seiner Königin und Ehefrau Anne die Bügerschützen. Das Foto zeigt die Throngesellschaft (v.l.): Anne und Paul Gronewäller, Petra und Helmut Mußenbrock, Anne (Königin) und Elmar Halbuer (König), Norbert und Eva Westfechtel, Norbert und Angelika Brinkmann.

Gemeinsam auf die Vogelwiese

Nach einem unfassbar spannenden Vogelschießen regieren aktuell König Uwe und Königin Anika Rottenberg die Bürgerschützen. Im Interview mit dem stellvertretenden Geschäftsführer Ralf Böhmer geben sie einen Einblick in die Gefühlswelt eines Regentenpaares – und die Majestät erläutert, warum für den Vollblutschützen kein Weg an der Königswürde vorbeiführt.

Bei Veranstaltungen des Bürgerschützen-Vereins erklingt derzeit auffällig häufig „Die Vogelwiese“. Gibt es dafür einen Grund?

König Uwe Rottenberg: Sogar einen richtig guten! Denn so nennen wir unsere Thron-Clique. Der Name hat seinen Ursprung an einem Schützenfest vor vielen Jahren. Die Band hat damals „Die Vogelwiese“ immer als Pausenmelodie gespielt – und wir haben dazu eine Polonaise initiiert. Seitdem wurde das Lied oft gehört und nach dem Entschluss zum Königsschuss auch unserer Whatsapp-Gruppe diesen Namen gegeben. Sogar unser Nachwuchs hat das schon adaptiert und nennt sich selbst „Die Vogelwiesenkinder“.

Dann sollten sich die Freckenhorster Schützen wappnen und den Liedtext bis zum Schützenfest lernen, um textsicher zu sein?

Königin Anika Rottenberg: Ich glaube, das Lied wurde in den letzten Monaten so intensiv gesungen, dass die 8 Zeilen mittlerweile fast jedem fehlerfrei gelingen. (schmunzelt) Ansonsten bieten wir noch viele Begegnungen zum Üben an.

Abgesehen vom Schützenliedgut: Wie bereiten sich amtierende Majestäten auf die Schützenfesttage vor?

Uwe Rottenberg: Eigentlich wie in jedem Jahr. War es früher noch die gute als Cassette, die uns 6 Wochen vor dem Fest bei jeder Autofahrt mit Marschmusik versorgte, gibt es heute die entsprechende Playlist. Das geht so weit, dass selbst die Kinder auf den Weg zum Kindergarten nach „Bufftata“-Musik fragen. Vorbereitung und Vorfreude ziehen sich so quer durch die ganze Familie.

Anika Rottenberg: Wir tun natürlich auch etwas für unsere Kondition. Und mit Blick auf die abendlichen Festbälle gehört ein Vorbereitungsshopping mit den Throndamen natürlich ebenfalls zum Programm. Außerdem ist die Unterbringung der Kinder während der Festtage elementar – auch das müssen wir managen.

Droht da Terminstress?

Uwe Rottenberg (schmunzelnd): Was für’n Stress? Im Ernst: da wird mehr erzählt, als der Wahrheit entspricht. Darum antworte ich auf die Frage, wie viele Veranstaltungen wir besuchen müssen immer mit „zu wenige“. Wir haben uns ja bewusst entschieden – und darum ist alles, was dazugehört, auch kein Stress, sondern positiv gesehen ganz viel Spaß!

Als stellvertretender Bataillonskommandeur hast du etliche Aufgaben in der Vorbereitung und Durchführung des Schützenfestes. Sind diese Pflichten mit der Königswürde vereinbar?

Uwe Rottenberg: Auf jeden Fall. Wir sehen uns im Offizierscorps ohnehin als Team. Und als solches haben wir auch die Vertretungsregelung für dieses Jahr in wenigen Minuten geklärt.

Drehen wir die Uhr zurück: Schützenfestmontag 2018, 15.04 Uhr. Wie war da die Gefühlslage?

Anika Rottenberg: Ich habe gedacht: Der Tag, an dem es nicht sein darf, ist der Tag, an dem es doch sein soll. Mir ging es an dem Vormittag gar nicht gut, so dass ich erst zur heißen Phase des Vogelschießens überhaupt zum Festplatz gekommen bin. Meine letzten Worte in Uwes Richtung waren „Uwe, auf gar keinen Fall“ – auch wenn das nicht so ganz ernst gemeint war. Als der Vogel dann fiel, hatte ich dann doch ein flaues Gefühl im Magen.

Uwe Rottenberg: Nach Anikas Zuruf waren ja beinahe noch 2 Stunden, in denen wir im engen Kreis der 12 Aspiranten miteinander gerungen haben. Das fühlt sich an, als wenn Fußballer zwei Stunden Elfmeter schießen – und keine Entscheidung fällt. Dabei hatten wir einen ähnlichen Tunnelblick wie ihn Fußballer beschreiben und zumindest ich habe von außen kaum etwas mitbekommen. Angesicht der großen Mitbewerberzahl hatte ich den Königsschuss für mich persönlich aber schon fast abgehakt.

… etwas voreilig, wie sich dann herausstellte!

Uwe Rottenberg: In der Tat. Bei meinem letzten Schuss ist der Rest vom Adler in mehrere Teile zerbrochen. Und die fielen aus meiner Perspektive wie in Zeitlupe herunter. Ich hatte das Gefühl, die Einzelteile aus dem Himmel pflücken zu können. Dann kam unbeschreibliche Freude auf – und mir wurden die Knie weich. In dem Moment war ich dankbar, dass mich meine Thronherren aufgefangen haben.

Anika Rottenberg: Auf mich sind dann natürlich auch unzählige Gratulanten zugestürmt. Ich hatte kaum Gelegenheit, für den Abend eine Kinderbetreuung zu organisieren, da stand ich auch schon auf der Theke. Von da an konnte ich mich dann auch richtig freuen – dem Adrenalin sei Dank.

Was bleibt an Erinnerungen an dieses Königsschießen?

Uwe Rottenberg: Diese zwei Stunden Wettringen haben uns Aspiranten schon zusammengeschweißt. Am Ende hätte es jeder Jedem gegönnt. Und es ist Wahnsinn, dass wir es mit der Vogelwiese direkt beim ersten Anlauf geschafft haben. Aber schade zugleich, denn das Schießen war so genial, das hätten wir alle gerne nochmal miterlebt.

Und dann: Hunderte haben euch im Festzelt auf der Theke zugejubelt und gratuliert. Wie war das für König und Königin?

Uwe Rottenberg: Zu kurz, zu warm und einfach unbeschreiblich. Es ist imposant zu sehen und zu erleben, wie viele Menschen sich mit einem freuen. Das war ja eine Monsterschlange an Gratulanten. Und diese Zeit haben wir voll ausgekostet – auch wenn es gefühlt nur 10 Minuten waren.

Anika Rottenberg: Ich habe ja wie gesagt erst auf der Theke richtig realisiert, was da passiert. Und dann diese unbändige Freude, die einem entgegen gebracht wird – das ist schon toll. Das schönste Gefühl war aber zu wissen, dass unsere Kinder sich riesig gefreut haben und wahnsinnig stolz auf den Papa waren – und immer noch sind.

War dieses Königsjahr auch ein Traum der Königin?

Anika Rottenberg: Definitiv nicht. Ich habe immer gerne Schützenfest gefeiert, aber nie in der ersten Reihe. Deshalb wollte ich schon gerne auf den Thron und eben nicht unbedingt Königin werden. Jetzt, wo ich die Krone trage, gebe ich sie aber gar nicht so gerne wieder her.

Uwe Rottenberg (schmunzelt): Das kann der König gut verstehen!

Zurück zur Vogelwiese: Was bedeutet diese Truppe für euch?

Uwe Rottenberg: Eine Menge. Wir kennen uns alle seit einer gefühlten Ewigkeit, sind eine gewachsene Gemeinschaft, ergänzen uns perfekt und am wichtigsten: Wir haben alle Bock auf Schützenfest. Darum ist unser Motto ja auch „Gemeinsam auf die Vogelwiese“.

Anika Rottenberg: Ein Königsjahr mit so einem Freundeskreis zu erleben, ist schon etwas Besonderes. Wir organisieren alles im Team und wissen eine tolle Throntruppe hinter uns. Darum haben wir nach dem Hoetmarer Schützenfest, das wir wegen unsers Familienurlaubs nicht besuchen konnten, auch gesagt: Thron geht ohne König – König aber nicht ohne Thron.

Seit wann gab es den „Thron-Plan“ der Vogelwiese?

Uwe Rottenberg: Den Traum gibt es bei jedem der Thronherren schon sehr lange. Den Plan ganz konkret erst seit dem 1. Mai 2017. Da haben unsere Frauen uns gedrängt, wir sollten doch jetzt Nägel mit Köppen machen. Sie wollten Klarheit – und nicht mehr Jahr für Jahr mit Ungewissheit zum Schützenfest gehen. Und es war ein tolles Gefühl, diesen gemeinsamen Plan zu schmieden.

Was waren eure schönsten Momente im Regentschaftsjahr?

Uwe Rottenberg: Das kann man nicht an einem einzelnen Moment festmachen. Auch, wenn der emotionalste Moment natürlich der Königsschuss war, gibt es unzählige schöne Begegnungen und Erlebnisse, die eben nur ein Königsjahr mit sich bringt. Nehmen wir als Beispiel die Königsbank, die vor unserem Haus steht. Die ist Ausgangspunkt für alle Veranstaltungen, die wir als Thron besuchen – und nicht selten auch der Endpunkt. Auf dieser Bank hatten wir viele Besucher und tolle Begegnungen, die wir in einem eigenen Königsbank-Fotoalbum zusammengestellt haben, das jeder Besucher dort auch durchblättern kann. So steht diese Königsbank sinnbildlich für das ganze Königsjahr. Und ich kann jeden Schützenbruder und jede Schützenschwester nur ermutigen, sich für ein Jahr diese Bank zu sichern.

Auf was freut ihr euch mit Blick auf das Regentschaftsfinale am meisten?

Anika Rottenberg: Nachdem der Schützenfestmontag im letzten Jahr quasi an uns vorbeigeflogen ist, wollen wir das diesjährige Schützenfest noch mehr genießen und jeden Augenblick aufsaugen. Insofern gilt: Sonntag ist Haupttag. Da fiebern wir drauf hin.

Uwe Rottenberg: Für mich ist Vorfreude die schönste Freude. Insofern freue ich mich auch auf alles, was im Vorfeld passiert. Die ganze Vorbereitung, das Fahnenaufstellen. Dann natürlich die Kutschfahrten bei den Festumzügen, aber auch die Empfänge am Schloss Freckenhorst.

Was überwiegt aktuell: Vorfreude aufs Fest, die Aufregung oder Wehmut, dass es bald vorbei ist?

Anika Rottenberg: Da ist ganz viel Vorfreude, ein bisschen Aufregung – und es wird ganz bestimmt ein komisches Gefühl für uns sein, am Montag Krone und Königskette wieder abgeben zu müssen.

Gibt es einen entscheidenden Tipp für Aspiranten 2019?Uwe Rottenberg: Wer wie wir davon träumt, der muss das machen und nicht verschieben. Schließlich soll man die Traube vernaschen, bevor sie zur Rosine wird. Ohne diesen Vorsatz – und den Rückenwind unserer Frauen – wären wir jetzt nicht „Gemeinsam auf der Vogelwiese“.

Bürgerschützen begehen „Doppeljubiläum“

Zwei markante Jubiläen prägen das Freckenhorster Schützenjahr 2019. Zum einen erfolgte 1949, also vor runden 70 Jahren, neben der Wiederbegründung des Bürgerschützen-Vereins Freckenhorst auch der Zusammenschluss mit dem Hubertus-Schützenverein. Auch wenn der Schützenverein zunächst noch „Bürgerverein“ hieß, wurde – mit Genehmigung des britischen Kreiskommandanten – erstmals nach 1938 wieder ein „Bürgerfest“ gefeiert. Dazu schreibt Präsident Matthias Kalthöner im diesjährigen Festprogramm: „Für uns ist es heute unvorstellbar, was für ein Gefühl es gewesen sein muss, nach den langen Kriegsjahren endlich wieder befreit feiern zu können.

Mit der Zusammenlegung der zwei Schützenvereine zum Bürgerschützen-Verein wurde damals ganz bewusst dafür Sorge getragen, dass das Schützenfest in der Zukunft ein Fest für alle Freckenhorster sein soll. Das ist es bis heute geblieben – ein friedliches Fest für alle Freckenhorster!“ Der Bürgerverein umfasste im ersten Jahr bereits wieder 112 Mitglieder. Theodor Kreimer wurde zum Präses, Georg Kesse zum Vizepräses gewählt. Heinrich Wolff wurde nach 25 Jahren als Präses zum Ehrenpräses ernannt, Heinrich Rickmann zum Major. Im Rahmen des Bürgerfestes schon sich Theodor Minke zum ersten König der Nachkriegszeit – mit der Armbrust (s. Foto).

Neben den 70 Jahren seit der Wiederbegründung blicken die Freckenhorster 2019 stolz auf 525 Jahre Schützentradition zurück. Laut Kirchenrechnungen aus dem Jahr 1494, die bis heute im Bistumsarchiv in Münster aufbewahrt werden, lässt sich das Bestehen eines organisierten Schützenbundes seit 1494 nachweisen. Damit kann Freckenhorst auf die älteste nachweisbare Schützentradition im gesamten Kreis Warendorf zurückblicken.

Krönung und Parade: zu Ehren der Majestät und zur Begeisterung der Besucher

Krönung und Parade am Schützenfestmontag ab 17 Uhr bieten viele emotionale Momente für die alte und neue Majestät der Bürgerschützen – von feierlich und berührend bis hin zu ausgelassen. Der scheidende König gibt die Königskette ab, der neuen Majestät wird die Kette verliehen. Lauter Jubel verkündet den Regentenwechsel – und während die Freckenhorster Musikzüge ein gemeinsames Lied intonieren, kann das neue Königspaar Seite an Seite mit der neuen Throngesellschaft von der Empore am Stiftsmarkt aus den Blick auf das Schützenvolk für einen Moment still genießen.

Diesem für die Majestät sehr emotionalen Moment folgt eine prachtvolle Parade zu Ehren der gekrönten Häupter. Hierzu nehmen die Throngesellschaften sowie Fahnen- und Standartenträger vor der Stiftsbücherei Aufstellung und verfolgen den Vorbeimarsch von Formationen und Bataillon. Erneut sind die Formationen eingeladen, sich wie in den Vorjahren mit alternativen Formaten zu präsentieren. Unvergessen sind die sympathischen Auftritte der letzten Jahre, die für Majestäten und Zaungäste eine Augenweide waren – so, wie im Bild die letztjährige Performance der Formation der Damen. Abgerundet wird der Schützenzug nicht selten durch Gruppierungen aus Nachbarschaft, Familie oder dem Freundeskreis des neuen Königspaares. 

Nach der Parade haben die Schützen dann rund 2 Stunden Zeit, um sich auszuruhen und auf die um 20 Uhr beginnende Polonaise vorzubereiten. „Dieses Zeitfenster können wir anbieten, weil wir beim Königsschießen mehr Präzision in die Abläufe gebracht haben“, so Oberst Thomas Feldmann.

Ein farbenfrohes, prächtiges Bild bietet sich Besuchern des Bürgerschützenfestes alljährlich beim Antreten der Formationen auf dem Stiftsmarkt, hier beim Einzug der Fahnen und Standarten unter Begleitung des Orchestervereins Freckenhorst.

Frühschoppen im Festzelt: Evergreen für alle Schützengenerationen

Eine beliebte Feier für alle Schützengenerationen ist der Frühschoppen am Montagmorgen im Festzelt. Dazu sind die älteren Mitglieder des Vereins, die Damen der verstorbenen Mitglieder, Jubilare, Ehrenmitglieder und Ehrengäste eingeladen. Ein kurzweiliges Programm, präsentiert von den Vorstandsmitgliedern Christian Murrenhoff, Thomas Helmer und Winfried Klosterkamp sorgt dort alljährlich für prächtige Stimmung. Zwischendurch erfolgen vor dieser Kulisse die Krönung des Kinderschützenkönigs sowie des Königs der Jungschützen – und nicht zuletzt die Aufnahme von Königin Anika in die Gruppe der ehemaligen Königinnen. Diese Vielfalt an Programmpunkten und beteiligten Generationen macht den Frühschoppen immer wieder zum „Evergreen“.