Mannschaftsspieler

Der Vorstand: aus der Mitte des Vereins – aus Freude am Engagement.

Die Schärpe binden sie quer um den Körper, anstatt eines Gewehrs tragen sie weiße Handschuhe und am Sakko weist eine grünweiße Rosette mit dem Schild „Vorstand“ auf die Aufgaben dieser Schützenbrüder hin. Beim Antreten auf dem Marktplatz und bei den Umzügen durch die Stadt marschieren sie in der Mitte der Schützenschar, hinter den Jungschützen, der Ehrengarde und der Musik, vor dem Korps der Könige und dem Bataillon. Und das ist kein Zufall. Denn aus der Mitte unseres Vereins und der Freckenhorster Bürgerschaft entstammen diese Schützenbrüder, die mit Begeisterung und viel Engagement als Vorstandsmitglieder die Verantwortung für das Gelingen des Bürgerschützenfestes tragen.

Es braucht die unterschiedlichsten Talente und Fähigkeiten, es braucht jugendliche Dynamik wie seniore Erfahrung, es braucht Kreativität wie Beständigkeit, es braucht Akademiker wie Kaufleute, Handwerker und Bauern, es braucht Alte und Junge, es braucht den Poahlbürger wie den Neubürger: je bunter die Mischung ist, desto produktiver und spannender sind die Diskussionen, Ideen und Projekte, die diesen Verein lebendig halten und ihn entwickeln.

 

Und an der Spitze des Vereins steht ein Mann, dessen Aufgabe die Rekrutierung, Führung und Weiterentwicklung dieses Teams ist: der Präsident. Er trägt am Ende die Verantwortung, dass der Verein sich beständig entwickelt, dass er „Tradition bewahren“ nicht als „Konservieren des Ist-Zustandes“ missversteht, dass er seine Ideale und Einzigartigkeiten immer auch den Bedingungen der jeweiligen Zeit anpasst.

 

Den 6. Juli 1837 kann man sicher als die Geburtsstunde der Verantwortlichkeit für das Schützenwesen in Freckenhorst betrachten. Denn an diesem Tag wurde mit Josef Sandhage oder Bernhard Heuer – exakt lässt sich das leider nicht mehr nachvollziehen – der erste Präsident des Schützenvereins gewählt.

 

Viele namhafte Freckenhorster Bürger standen dem Bürgerschützen-Verein seitdem als Präses oder Präsident und Vorstandsmitglied vor und führten diesen zu einem geachteten Verein in Freckenhorst. Jede Generation dem jeweiligen Zeitgeist entsprechend, denn im Laufe der Zeit haben sich mit den Anforderungen der Mitglieder an das Vereinsleben und den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auch die Anforderungen an die Vorstandsmitglieder gewandelt. Die Anforderungen an die persönliche Eignung und das Engagement, aber auch die Anforderungen an das effiziente Zusammenwirken im Gremium Vorstand.

 

Welcher Anspruch und welche Erwartungshaltung dem jeweiligen Präsidenten entgegengebracht wird, kann man den Gratulationsworten von Schützenmajor Dr. Heinz Hombrink anlässlich der Wahl von Hans Lampen zum neuen Präses im Jahr 1954 entnehmen. Er sagte: „Lieber Hans, Du bist der rechte Mann am rechten Platz, Du verkörperst bestes Bürgertum, bist angesehen und beliebt, voll Energie und Tatendrang und zu führender und schöpferischer Leistung erwiesenermaßen fähig. Du erfüllst somit alle Eigenschaften und Fähigkeiten, die wir an den Träger dieses hohen Amtes stellen müssen. Du darfst Stolz sein, Repräsentant eines solch hoch stehenden und geachteten Vereins, wie es der Freckenhorster Bürgerschützen-Verein ist, sein zu dürfen.“ Diese Worte lassen sich nahtlos übertragen auf alle Schützenbrüder, die dem Vorstand unseres Vereins in all den Jahren bis heute gedient haben.

 

Auch heute ist es nicht dem Zufall überlassen, wer den Schützenbrüdern im Rahmen der Generalversammlung zur Wahl in den Vorstand vorgeschlagen wird. Zwar besteht auch im Schützenwesen eine Mannschaft aus Einzelspielern. Aber die müssen zueinander passen. Das heißt: die „richtige“ Mannschaftsaufstellung ist gefragt. Dabei basiert die Findung dieser Teamplayer auf einem festgelegten und abgestimmten Anspruchsprofil für die Einzelämter. Eine große Schützenbegeisterung, eine gute Verankerung im Verein, Team- und Kritikfähigkeit gelten natürlich für alle.

 

Von Amts wegen sind neben dem Präsidenten und dem Vize-Präsidenten naturgemäß der Oberst als Bataillonskommandeur, die Kommandeure der Ehrengarde und der Jungschützen Mitglieder im Vorstand. Die zentralen Ämter Finanzen und Schriftverkehr werden vom Geschäftsführer und seinem Stellvertreter verantwortet. Viele weitere Aufgaben werden in verschiedenen Arbeitskreisen angegangen.

 

So kümmert sich der „Arbeitskreis Festablauf und Platzkommando“ um die zahlreichen logistischen und handwerklichen Arbeiten im Vorfeld aller Veranstaltungen und insbesondere um einen reibungslosen Verlauf der Bürgerschützenfeste. Im „Arbeitskreis Öffentlichkeit“ geht es um die Darstellung des Vereins in der Tagespresse, um Werbung auf Plakaten oder Flyern sowie einen interessanten Internetauftritt.

 

Wer im „Arbeitskreis Generationen“ mitwirkt, hat besondere Interessen an der Entwicklung und Pflege einer guten Schützengemeinschaft. Hier sind insbesondere die Ehrenmitglieder, die älteren Schützen und die Frauen der verstorbenen Schützenbrüder sowie die ehemaligen Königinnen angesprochen. Eine weitere Gruppe kümmert sich um den „Kindernachmittag“ am Schützenfestsonntag. Auch hier sind immer wieder gute Ideen gefragt, Spaß und Spiel sowie gute Unterhaltung stehen im Vordergrund. Nicht nur dadurch wird in der Gemeinschaft mit den Familien vieles zum Fortbestand des Bürgerschützen-Vereins auf den Weg gebracht. Aber was wäre das Schützenwesen in Freckenhorst ohne die Musik? Hier bildet der „Arbeitskreis Musik“ bei der Koordinierung aller musikalischen Darbietungen ein wichtiges Bindglied zu den Freckenhorster Musikzügen, auf die der Bürgerschützen-Verein sehr stolz ist.

 

Komplettiert wird der Vorstand in jedem Jahr von der aktuellen Majestät. Und wenn die Generalversammlung einen ehemaligen Präsidenten oder Oberst zum Ehren-Präsidenten oder Ehren-Oberst ernennt, so ist auch dieser Mitglied des Vorstands – und zwar auf Lebenszeit!

 

Eine große Mannschaft also, die da zusammenkommt. Aber funktioniert die auch?

„Was zählt ist aufm Platz“ – das weiß jeder Fußballer. Und da steht der Vorstand als Mannschaft. Als Mannschaft, die funktionieren muss. Dafür ist es unerlässlich, dass die Einzelspieler einen toleranten Umgang miteinander pflegen, dass Meinungen angehört und respektiert werden. Denn am Ende sind Vielfalt im Vereinsleben und beste Lösungen nur auf der Grundlage kontroverser Diskussionen möglich. Diese Kultur des Miteinanders gründet auf einer Struktur, die seit vielen Jahren in den unterschiedlichen Zusammensetzungen des Vorstandsgremiums gelebt und weiter entwickelt wurde.

 

Mit der jetzigen Vorstandsbesetzung im Jubiläumsjahr 2011 ist das Führungsgremium sehr gut aufgestellt und somit in der Lage, die für dieses große Jubiläum „175 Jahre Bürgerschützen-Verein Freckenhorst“ notwendige Kraft und Initiative aufzubringen. Und doch haben gerade die Vorbereitungen auf das Jubiläum gezeigt, wie vorteilhaft es ist, über die Vorstandsmitglieder hinaus weitere Schützen in die Aktivitäten der Arbeitskreise einzubeziehen. Die große Bereitschaft der Schützenbrüder, sich im Rahmen des Jubiläums unentgeltlich und ehrenamtlich einzubringen, ist ein eindrucksvolles Signal, dass dieser wunderbaren Tradition in Freckenhorst eine gute Zukunft gewiss ist.

 

Michael Risse

Georg Kesse