Geschichte des Vereins
Wenn man sich der Geschichte des Freckenhorster Bürgerschützen-Vereins zuwendet, so muss festgestellt werden, dass es zu seiner Geschichte eine Vorgeschichte gibt. Denn eigentlich ist sein Gründungsjahr 1836, so vermerkte bereits 1961 der Chronist F.Rohleder. Einen viel weiteren zeitlichen Bogen überspannt nämlich das Freckenhorster Schützenwesen, als Jahre seit 1836, in denen die Bürgerschützen eine wichtige Rolle in der neuzeitlichen Sozialgeschichte des Ortes Freckenhorst gespielt haben.
Die wichtigste historische Quelle für die Vorgeschichte des gegenwärtigen Vereins stellen die von 1494 an erhaltenen Kirchenrechnungen dar, die sich heute im Bistumsarchiv
Münster befinden. Aus diesen Kirchenrechnungen lässt sich das Bestehen eines organisierten Schützenbundes mit ganz zweifellos landwehrähnlichen Aufgaben seit 1494,
also dem ersten Jahr, aus dem überhaupt eine Kirchenrechnung vorliegt, nachweisen. Damit kann Freckenhorst auf die älteste nachweisbare Schützentradition im Kreis Warendorf zurückblicken.
Auch in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wird das Schützenfest im wesentlichen in den aus den Aufzeichnungen seit 1494 rekonstruierbaren Formen gefeiert. Dass aus
Anlass des Königsschiessens bereits ein regelrechter Schützenzug in Freckenhorst veranstaltet wurde, kann für die Zeit vor 1610 nur vermutet werden, für dieses Jahr hält die
Rechnung jedoch ausdrücklich fest, dass 3 Schilling Lohn für den Trommelschläger bei dem Marsch zum Festplatz ausgeworfen wurden: „Item den trummensleger gegeben 3
schil, als man na den Vogelbohm gink”.
Es ist davon auszugehen, dass im 30-jährigen Krieg von 1618 bis 1648 der Schützenverein seine „militärische” Bedeutung und damit einen wesentlichen Teil seines Selbstverständnisses verloren hat, ehe in der Napoleonischen Zeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts die förmliche Auflösung der Schützenvereine durch die französische Besatzungsmacht verfügt wurde. Erst nach den deutschen Befreiungskriegen von 1813 bis 1815 hat der neue Oberpräsident von Westfalen im Amtsblatt vom 27. September 1816 die Bildung von Schützenvereinen angeregt. Der für Freckenhorst zuständige Bürgermeister Harrier aus Vornholz teilte am 15. Oktober 1816 mit, „dass in den Communen Freckenhorst und Ostenfelde bisher keine Schützengesellschaften bestanden”. Und wenngleich er anfügt, er werde sich „ein Vergnügen daraus machen, im künftigen Frühjahr für jede Commune eine Schützengesellschaft zu Stande zu bringen”, so muss man doch davon ausgehen, dass sich eine Wiederbelebung der Schützentradition in unserem Raum nur recht zögernd vollzog. In Freckenhorst folgen zuerst die Webergesellen der behördlichen Anordnung. Offenbar haben diese, wie aus einer Eingabe vom 8. Juni 1835 zu schließen ist, ein mit einem Scheibenschießen verbundenes Schützenfest zwischen 1817 und 1826 regelmäßig oder unregelmäßig gefeiert, es dann aber wieder aufgegeben. Eine Anfrage de Warendorfer Landrates über Missbräuche und Gebräuche bei Schützenfesten beantwortet deshalb auch der Freckenhorster Bürgermeister am 17. Dezember 1829 mit der lapidaren Feststellung: „ In meinem Verwaltungsbezirk finden keine Schützen- und Vogelschießfeste statt”. Erst 1835 beginnen die Webergesellen wieder, die Tradition jährlicher Schützenfeste in einem sogenannten „Junggesellen-Schützenverein” auf- zugreifen, und im gleichen Jahr folgen ihnen die eingesessenen Bürger mit einer Vereinsgründung, die im Jahr 1986 Anlass für die 150-jährige Jubelfeier der Freckenhorster Bürgerschützen war.
(Vgl. Klaus Gruhn, Festschrift zum 150-jährigen Jubiläum des Bürgerschützen-Vereins Freckenhorst)
1836 erste nachweisbare Einladung zu einem Freckenhorster Schützenfest 1848 und erste Vereinskrise / 9 Jahre kein Schützenfest
1858 Revolutionsjahr Antrag der Freckenhorster Junggesellen auf erneuter Feier eines Schützenfestes. Ablehnung auch in letzter Instanz durch die königliche Regierung in Münster. Begründung: fehlende Statuten!
1859 Vorlage von Statuten und Wiedereinführung des Schützenfestes
1865 erstmals Zapfenstreich am Vorabend
1866 Preußisch-österreichischer Krieg und erneut Ausfall des Schützenfestes
1869 Fortsetzung der Schützenfeste
1874 Gründung des Kriegervereins und Aussetzung der Schützenfeste für ein volles Jahrzehnt
1885 Wiederaufrichtung des alten Bürgerschützen-Vereines durch Amtmann Albert Wirth
1886 Melchior Dufhues erringt die Königswürde
1887 Melchior Dufhues erringt die Kaiserwürde
1892 aus Mitgliedern des Vereins wird ein Trommler- und Pfeiferkorps unter Tambour-Major Heinrich Heuer gebildet
1893 Weihe der großen Bürgerschützenfahne mit der Aufschrift 1842 – 1892 “einig und treu”
1905 der Bürgerschützen-Verein hat 218 Mitglieder
1910 Freckenhorst hat rd. 2.500 Einwohner
1914 Beginn des ersten Weltkrieges und für einige Jahre letztes Schützenfest
1918 Ende des ersten Weltkrieges und Abdankung des Kaisers
1919 kleine Schützenfeier ohne Umzüge mit Pferd und Wagen
1920 Schützenfest mit „überaus starker Beteiligung”
1921 Nachholung des 75. Jubelfestes
1922 Absage des traditionellen Schützenfestes und Gründung des „Gesellen-Schützenvereins”
1925 Gründung der Ehrengarde
1930 Heinrich Wolff, der seit 1904 den Verein leitet, legt sein Amt als Präses aus Altersgründen nieder. Sein Nachfolger wird Johann Zurwieden.
1931 Ausfall des Schützenfestes auf Grund der Wirtschaftskrise
1932 das Schützenfest wird wieder in gewohnter Weise gefeiert
1933 Machtergreifung Adolf Hitlers. Die ersten Feste werden in gewohnter Weise gefeiert
1936 100-jähriges Bestehen des Bürgerschützen-Vereins Freckenhorst. Der Verein hat zur diesem Zeitpunkt 230 Namen in der Mitgliederliste und auch die Schußliste zum Fest enthält die erstaunliche Zahl von 204 Namen
1937 Zwangsmitgliedschaft im „Deutschen Schützenbund” und Verpflichtung zur Übernahme einer Einheitssatzung des nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen. Der Schützenverein verliert mit der Zustimmung zu der Satzung in der Generalversammlung am 2. Mai 1937 seine Freiheit. Am 6. Juli 1937 hat der Schützenverein nur noch 134 aktive und 13 passive Mitglieder.
1939 auf Grund des beginnenden Krieges finden bis zum Jahre 1948 keine Schützenfeste mehr statt
1949 Wiederbegründung des Freckenhorster Bürgerschützen-Vereins. Zusammenschluss mit dem Hubertus-Schützenverein in der Gründungsversammlung vom 12. Juni 1949 und mit Genehmigung des englischen Kreiskommandanten am 17. und 18. Juli erstes Schützenfest nach dem 2. Weltkrieg auf dem Hof Hermes. Allerdings hieß der Schützenverein zunächst noch „Bürgerverein” und er feierte noch kein
Schützen-, sondern ein „Bürgerfest”. Der „Bürgerverein” umfaßt bereits wieder 112 Namen. Theodor Kreimer wurde zum Präses und Georg Kesse zum Vizepräses gewählt. Heinrich Wolff wurde Ehrenpräses, Heinrich Rickmann
Major und Theodor Minke schoss sich mit der Armbrust zum König des ersten Nachkriegsschützenfestes.
1950 1100-jähriges Gründungsfest des alten Stiftes Freckenhorst vom 29. Juni bis 8. Juli. Das Schützenfest am 8. und 9. Juli bildet den krönenden Abschluss.
1951 Der Präses des Vereins, Theodor Kreimer wird zu Grabe getragen. Georg Kesse, schon über mehr als zwei Jahrzehnte Vizepräses im Hubertus- Schützenverein und seit 1949 in gleicher Funktion im vereinigten Bürgerschützen-Verein leitet die Vereinsgeschäfte nach dem Tode von Theodor Kreimer bis zur Wahl des neuen Präses Hans Lampen.
1954 Hans Lampen wird zum neuen Präses gewählt.
1960 Im Januar muss eine weitere prägende Gestalt des Bürgerschützen-Vereins beerdigt werden, der 91-jährige Ehrenpräses Heinrich Wolff, der in siebzigjähriger Mitgliedschaft 25 Jahre als Präses und 20 Jahre als
Ehrenpräses dem Verein diente. Beim Schützenfest schießt sich Franz Beuning, der König des Jahres 1924/25 zum Kaiser.
1961 125 Jahre Bürgerschützen-Verein Freckenhorst. Laut Generalversammlung vom 22. Januar 1961 gab es nicht weniger als 28 Neuaufnahmen und der Verein vermerkte einen Bestand von 450 Mitgliedern. Der Präses betont in
seiner Festrede die gesellschaftspolitisch wichtige Funktion des Vereins, Fabrikanten, Arbeiter, Angestellte, Bauern und Handwerker ebenso zusammenzuführen wie die Heimatvertriebenen und die Alteingessenen.
1962 Erstes Schützenfest auf dem Schulhofgelände an der Everwordschule. Der Festplatz bewährt sich so sehr, dass bis zum heutigen Tage das Schützenfest dort gefeiert wird.
1963 Bei den Umzügen der Schützen wirkt erstmals das neue berittene Fanfaren- korps unter Leitung von Kurt Seidel und der neue Spielmannszug unter Lei tung von Heinz Sölling mit. Die Zahl der Vereinsmitglieder kam auf über 500.
1964 Der Kassierer bezeichnet die Finanzlage des Vereins als „nicht rosig”. Die Versammlung beschließt, einen Sonderbeitrag von DM 3,00 für notwendige Zahlungen und für die Anschaffung neuer Uniformen für den Spielmannszug
zu erheben. Der Jahresbeitrag von DM 8,00 wird weiterhin erhoben, der Sterbekassenbeitrag von DM 2,00 auf DM 4,00 erhöht.
1965 Die Sterbekasse wird aufgelöst. Der Jahresbeitrag beläuft sich auf DM 12,00.
1970 Gründung der „Jungschützen-Kompanie”
1971 Heinz Zurwieden wird neuer Präsident. 44 Neuaufnahmen; 603 Mitglieder
1972 Eine Abordnung von 30 Franzosen aus der Partnerstadt Pavilly sind in Freckenhorst und beim Bürgerschützen-Verein zu Gast
1975 714 Mitglieder
1978 Kauf eines Grundstücks mit aufstehender Halle von der WLE als Gerätehaus für den Verein für insgesamt DM 16.400,00.
1983 Bruno Röhrs wird Präsident des Bürgerschützen-Vereins
1986 150 Jahre Bürgerschützen-Verein Freckenhorst. Der Verein hat zu diesem Zeitpunkt 880 Mitglieder. 22 Gastvereine und 16 Musikzüge nehmen an dem Jubelfest teil. Die englische Militärkapelle „The Regimental Band of the 17 th /
21st Lancers” und eine Delegation der Partnerstadt Pavilly geben dem Aufmarsch einen internationalen Anstrich.
1994 Im Juli verstirbt der langjährige Präsident Bruno Röhrs kurz vor dem großen Fest zur 500-jährigen Freckenhorster Schützentradition. Am 22. Juli 1994 findet im Festzelt ein Heimatabend statt, ganz im Zeichen von 500 Jahren Schützentradition. An der Industriestraße wird ein Weberdenkmal aufgestellt. Dieses soll daran erinnern, dass in Freckenhorst einst das Weberhandwerk den Ort zur wirtschaftlichen Blüte gebracht hat.
1995 In der Generalversammlung am 11. März 1995 muss auf Grund des Todes von Bruno Röhrs ein neuer Präsident gewählt werden. Einstimmig wird Josef Haarmann zum neuen Präsidenten gewählt. Haarmann war nach Dr. Heinz Hombring lange Jahre als Oberst bei allen Bürgerschützen äußerst beliebt. Georg Kesse jun. Wurde Vizepräsident und Ludger Schulze-Niehues zum neuen Oberst gewählt. Auf dem Schützenfest 1995 wurde das Jubiläum „25 Jahre Jungschützenkompanie“ gefeiert. Am 14. Oktober 1995 verstarb Heinz Zurwieden. Er war von 1971 bis 1983 Präsident des Bürgerschützen-Vereins Freckenhorst und wurde anschließend zum Ehrenpräsidenten ernannt. Heinz Zurwieden hat sich in besonderem Maße für Freckenhorst und den Bürgerschützen-Verein verdient gemacht. Als Inhaber der Weberei „ZUCO-Inlett“ hat er sich dafür eingesetzt, dass sich der ganze Ort mit grün-weißen Fahnen schmücken konnte. Die Stoffe hierfür wurden von der Fa. Zurwieden kostenlos zur Verfügung gestellt. Heinz Zurwieden stand als Ehrenpräsident dem Bürgerschützen-Verein mit Rat und Tat zur Seite (Zurwieden = Kaiser des Bürgerschützen-Vereins s. 1986).
1996 Auf Initiative des regierenden Schützenkönigs Werner Brunsmann und unter der Schirmherrschaft des Präsidenten Josef Haarmann organisiert der Bürgerschützen-Verein Freckenhorst eine Typisierungsaktion für die DKMS (Deutsche Knochenmark-Spender-Datei). Hierbei konnten durch Aufrufe in den Medien rund 800 potenzielle Knochenmarkspender gewonnen werden. Da für die Bestimmung der Blutentnahmen für jeden Spender ein Betrag von DM 100,00 aufgebracht werden muss, gelingt es dem Bürgerschützen-Verein durch eigene Aktionen sowie durch ein enormes Engagement der Freckenhorster Vereine, Industrie, Handwerk, Gewerbe und Privatpersonen einen Betrag von ca. DM 80.000,00 aufzubringen.
1997 Anfang des Jahres baut der Bürgerschützen-Verein für die „Everword-Grundschule“ in Freckenhorst ein sogenanntes Klassenzimmer im Freien. Hier können Kinder im Freien lernen und anschaulich Naturkundeunterricht erhalten. Am 11. Dezember 1997 verstirbt nach langer Krankheit der Präsident Josef Haarmann. Die Bestürzung über den Tod von Josef Haarmann (59 Jahre) war groß, da er ein bei allen Schützen beliebter Mitschütze, Oberst und Präsident sowie auch in seinem Heimatort ein überaus beliebter Mitbürger war.
1998 In der Generalversammlung am 14. März 1998 wurde Georg Kesse jun. Zum neuen Präsidenten und Hans-Günter Feldmann zum Vizepräsidenten gewählt.
1999 Die Ehrengarde erringt 1 Jahr vor ihrem 75-jährigen Jubiläum auf dem Kreisehrengarde-Treffen in Milte die Wanderstandarte und ist damit Ausrichter des nächsten Ehrengardetreffens in Freckenhorst.
2000 Vom 28. Juli bis 01. August 2000 fand das erste Schützenfest im neuen Jahrtausend statt. Es stand ganz im Zeichen des Ehrengarde-Jubiläums. 75 Jahre Ehrengarde im Bürgerschützen-Verein Freckenhorst. Dieses Jubiläum fand seine Krönung auf dem Schützenfest. Es waren insgesamt 30 Ehrengarden und 11 Musikzüge angetreten, um dem Jubiläum den würdigen Rahmen zu verleihen. Zum Abschluss dieses Jubiläumsjahres richtet die Ehrengarde Freckenhorst das Kreisehrengarde-Treffen am 27. August 2000 aus. Dieses fand statt auf dem Gelände des Vorstandsmitgliedes Anton „Tönne“ Brüggemann.
